Fesselflug Indoor - geht das?

Genau das habe ich mich gefragt, als ich diesen Begriff zum ersten Mal gehört habe. Ein Depron-Modell mit 300 Gramm Gewicht und 6 Meter Leinenlänge, das mich in einer Halle einmal in 5 Sekunden umkreist - das kann ich mir noch irgendwie vorstellen. Wenn ich aber zum Beispiel an einen Wechselhalbkreis (Wingover) denke und mir ausmale, wie das Modell nach dem senkrechten Steigflug über den Piloten hinwegkriecht ohne runter zu fallen - ui ui ui, wenn das nur gut geht.

Modernes High-Tech Modell mit Beschleunigungs- und Lagesensoren

Modernes High-Tech Modell mit Beschleunigungs- und Lagesensoren

Um Interessierten die Technik des Indor Fesselflugs zu zeigen - und den Ungläubigen zu beweisen, dass dies sehr wohl funktioniert - hat Peter Hofacker am 14. Dezember 2014 zu einem Infonachmittag in Solothurn eingeladen.

Der Arbeitsgeber von Hans Kern hat den Fesselfliegern dafür die optimale Halle zur Verfügung gestellt, wofür wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken möchten.

Die Technik - ja, es geht!

Die Technik ist im Prinzip ganz banal: Ein Fesselflugmodell mit Elektronantrieb und Timer, Leinen aus Fischgarn oder «Stärndlifaden» und als Steuerfläche nur das Höhenruder. Das die Basis.

Damit das Ganze aber funktioniert, muss von nun an mit feiner Klinge weiter gewerkelt werden.

Der Drehzahlregler wird im Drehzahlregelbetrieb betrieben, oder sogar mit Lage- und Beschleunigungssensoren so beeinflusst, dass die Drehzahl in vertikalen Passagen erhalten bleibt, beziehungsweise erhöht wird. Durch eine entsprechende Leinenführung am Modell ergibt sich im Flug eine relativ grosse Anstellung nach aussen. Man könnte fast meinen, das Modell wolle den Kreis «verlassen». In dieser Konfiguration können jedoch Überkopffiguren mit sehr niedriger Geschwindigkeit geflogen und ausgesteuert werden. Schwerpunkt, Leinenführungspunkt (Modellanstellung nach aussen) und Motorleistung müssen natürlich miteinander abgestimmt werden.

Volle Konzentration!

Volle Konzentration!

Das technische Zusammenspiel ist komplex. Da werden die High-Tech-Regler/Timer von Igor Burger, die selbstgebauten High-Tech-Timer von Michael Kern, aber auch ganz einfache Hubin-Timer mit 2 Potis (Drehzahl / Zeit ) eingesetzt, und irgendwie funktioniert nach einer seriösen Optimierungsphase alles auf seine Art.

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Das Fliegen - ganz anders, und doch gleich

Sofort nach dem Start des Indoor-Modells fällt auf, dass da gegenüber dem Outdorfliegen praktisch kein Leinenzug vorhanden ist. Es fühlt sich trotzdem sofort nach «Fesselflug» an. Toll! Doch wegen des fehlenden Leinenzuges wird sich manch einer zweimal überlegen, ob er jetzt wirklich zu einem Looping ansetzen will oder doch besser nicht. Aber nur Mut, es funktioniert. Jede F2B Figur kann geflogen werden. Schon nach kurzer Einflugzeit bemerkt man auch die typischen Eigenheiten der Fesselflugakrobatik: Das Gefühl vom Fliegen in der Halbkugel. Und so ist man bereits beim ersten Flug damit beschäftigt, eine liegende Rechteck-Acht so in die Halbkugel zu platzieren, dass sie auch entsprechen ausschaut.

Der Anlass – inspirierend und gemütlich

Es wird geflogen und gefachsimpelt ...

Es wird geflogen und gefachsimpelt ...

Eine erstaunliche Anzahl Interessierter hat am 14. Dezember den Weg nach Solothurn gefunden. Schön war zu sehen, dass nicht nur aktive Fesselflugpiloten da waren, sondern auch interessierte RC Indoorflieger und «Fesselflugabstinenzler». Sie alle zeigten grosses Interesse gegenüber dieser Art des Fesselflugs.

Diverse Modelle mit unterschiedlichen Antriebskonzepten wurden geflogen. Da das Schadenspotential viel kleiner ist als im normalen Fesselflug, fällt es einem viel leichter, das eigene Modell zum Fliegen zu Verfügung zu stellen, was rege getan wurde.

… gefragt und erklärt.

… gefragt und erklärt.

Vor der Halle wurde Glühwein gekocht. Hans Kern hat auch seine Kaffeemaschine in Betrieb genommen und Kuchen mitgebracht. Als Erinnerung an den Anlass und als Dank für das Kommen konnte jeder Besucher noch einen Fesselflug-Lebkuchen auf den Heimweg mitnehmen.

Fazit

Üben, üben, üben ,üben

Üben, üben, üben ,üben

Indoorfesselflug ist eine tolle Sache, und zwar aus folgenden Gründen:

(1) Sowohl der Umgang mit Depron wie die Handhabung der entsprechenden Elektroantriebe ist vielen Modellfliegern bekannt, und die meisten Komponenten sind wohl irgendwo im Bastelraum vorrätig.

(2) Der Bau eines Indoor Fesselflugmodells ist einfach und bietet einem interessierten Modellflieger ohne viel Aufwand die Möglichkeit, einmal am Fesselflug zu schnuppern. Dass bei einem missglückten Manöver das Modell meistens keinen Schaden nimmt, erleichtert den Einstieg ungemein und nimmt die Angst davor, bei einer falschen Reaktion gleich sein ganzes «Winterwerk» im Boden zu versenken.

(3) Und zu guter Letzt bietet der Indoorflug dem versierten Fesselflieger die Möglichkeit, sich auch im Winter, quasi am «Echt-Simulator», fliegerisch zu betätigen und am Figurenprogramm zu feilen.

Daniel Baumann

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