F2B: Fliegen im Wind

In einem interessanten Beitrag vom 27. April 2010 im Stunt Hanger Forum beschreibt Steven Yampolski seine Taktik für das Fliegen bei Wind. Ich finde seine Darstellung sehr gut und richtig und empfehle deswegen das Studium seiner Ratschläge.

Hier zuerst einmal eine Darstellung der Windgeschwindigkeiten, im Verhältnis zur Fluggeschwindigkeit eines typischen F2B Modells, gefolgt von der Übersetzung des Beitrages von Steven (Anmerkungen pg kursiv in Klammern), mit seiner Bewilligung zur Publikation vom 30.4.2010:

Windstärkein Km/h

Windstärkein Beaufort

Windstärkein m/sec

% der typischen Flug-geschwindigkeit (24.7 m/sec)

5

1

1.4

5.6

10

2

2.8

11.2

15

3

4.2

16.8

20

4

5.6

22.5

25

4

6.9

28.1

30

5

8.3

33.7

32.4 (FAI max.)

5

9

36.4

Steven Yampolsky-Techniques for flying in the wind

Weil ich schon bald entdeckte, dass die Pisten bei Windstärken über 10 Km/h frei werden, fliege ich selbst dann noch, wenn die Stühle umfallen. Ich finde, dass Fliegen bei starkem Wind zwar eine Herausforderung ist, aber gleichzeitig viel Spaß macht. Deswegen fliege ich bei jedem Wind, so lange als er unter 35 Km/h bleibt. Darüber wird das Fliegen dann zu Kampf ums Überleben. Beim Fliegen in starkem Wind ist es wichtig stets daran zu denken, dass ein wesentliches Element im Fessel-Kunstflug die kluge Verwaltung der kinetischen Energie ist und dass der richtige Einsatz dieser Energie bei Wind entscheidend sein kann. Ich habe dazu diese Grundregeln als für mich richtig befunden:

  • Das Austrimmen des Flugzeuges soll bei Wind unter 5 Km/h erfolgen.

  • Die Lage des Schwerpunktes so wählen, dass keine Kopflastigkeit resultiert, denn je größer der Abstand (nach vorne) des Schwerpunktes vom Auftriebsmittelpunkt ist, desto länger wird der Hebelarm an dem die Kraft des Windes wirkt. Der Schwerpunkt (ohneTreibstoff) soll dort liegen wo ihn der Konstrukteur eingezeichnet hat. Fehlt diese Angabe, dann ist es sinnvoll, den Schwerpunkt so zu legen, dass er ca. 6 -12 mm vor dem Auftriebsmittelpunkt zu liegen kommt. (Der Auftriebsmittelpunkt liegt bei der dicksten Stelle des Profils, entlangf einer parallel zu den Rippen laufenden Linie, auf ca. halber Spannweite. Dies ist die sogenannte mittlere Flächentiefe MAC, inkl. Klappen)

  • Der Wechsel von einem 3-Blatt auf einen 2-Blatt Propeller, mit mehr Durchmesser und mit eckigen Blattspitzen, kann sinnvoll sein. (Oder: gleicher 3-Blatt Prop, jedoch weniger Steigung und dafür höhere Drehzahl)

  • Die Startdrehzahl so erhöhen, dass eine um 0.1 bis 0.2 sec kürzere Rundenzeit resultiert.

Start

Der Start soll mit Rückenwind erfolgen. Damit hilft der Wind das Modell zu beschleunigen, so dass es nach einer Runde im Gegenwind schnell genug ist um exaktes Steuern zu gewährleisten.
(Diese Aussage wurde im Forum insofern relativiert, als dass bei Start mit starkem Rückenwind, insbesondere auf Gras, die Gefahr des Überschlages besteht.

Ich selbst wähle meinen Startort je nach Umständen verschieden:
Schwacher Wind, Hartbelag oder Gras: Start vor den Punkterichtern, d.h. mit Seitenwind von rechts.
Starker Wind, Hartbelag: Start mit halb Rücken- und halb Seitenwind von links, d.h. in einem Winkel von 135 nach den Punkterichtern.
Starker Wind, Gras: Start mit Seitenwind von links, d.h. gegenüber den Punkterichtern.)

Horizontalflug

Hier kann man nicht viel mehr tun, als sich auf den Wechselhalbkreis vorzubereiten. (Gut ist es, schon vor dem Start daran zu denken, dass das Modell im Gegenwind steigt, bzw. im Rückenwind sinkt) Um für den ersten Teil des Wechselhalbkreis Geschwindigkeit (=kinetische Energie) aufzubauen, soll man während der letzten Runde vor dem Einflug in den Wechselhalbkreis im Zentrum rückwärts gehen und so das Modell deutlich beschleunigen.

Wechselhalbkreis

Der Einflug in dieses Manöver, er erfolgt genau im Seitenwind von rechts, also vor den Richtern, ist heikel, da das Modell mit vollem Tank noch schwer ist. Um beim Übergang in den senkrechten Steigflug nicht zuviel Energie zu verlieren, macht es Sinn die erste und die dritte Ecke nicht allzu hart zu fliegen. Bei starkem Wind ist die Korrektur der Messerflugbahnen nur sehr eingeschränkt möglich. Umso wichtiger ist es, das Manöver ganz genau in der Windrichtung zu positionieren.

Innen- und Aussenloopings, Innen Quadratloopings

Werden die runden Loopings genau im (starken) Seitenwind geflogen, so beschleunigt das Modell bei jedem Looping zunehmend. Dies kann, (vor allem dann wenn auch noch der Motor aufdreht), so weit führen, dass die untere Höhe nicht mehr gehalten werden kann. Um diese Effekt zu verringen müssen die runden Loopings seitlich zur Windrichtung versetzt werden, und zwar die Innenloopings nach links und die Aussenloopings nach rechts. Das Maß des Versatzes ist direkt proportional zur Windgeschwindigkeit, d.h. je mehr Wind, desto mehr Versatz. Ein gutes Maß um, bei nicht allzu starkem Wind, den Versatz zu erfliegen, ist 3 m. Bei korrektem Versatz lassen sich so die Loopings fast wie bei Windstille fliegen. Hier noch ein wichtiger Hinweis; Werden die Loopings bei Wind versetzt, so ist es überlebenswichtig, die Höhe von 45 nicht zu überschreiten, um im oberen Teil den Leinenzug zu erhalten.

Aussen Quadratlooping

Es gelten dieselben Regeln wie bei den Innen- und Aussenloopings und den Innen Quadratloopings. Das Problem hier ist, dass das Modell bereits beim Einflug durch den Rückenwind beschleunigt wird und auf dem Weg nach unter zur zweiten Ecke weiter an Geschwindigkeit zulegt. Um die Einfluggeschwindigkeit so gering wie möglich zu halten, soll der Steigflug auf die Höhe von 45 so spät wie möglich, z.B. vor den Punkterichtern, erfolgen. Auf diese Weise wird etwas Energie abgebaut, denn je steiler der Steigflug, desto geringer die Geschwindigkeit. Hier muss man natürlich auf den Leinenzug aufpassen.

Dreiecke

Auch hier gelten dieselben Regeln wie bei den Innen- und Aussenloopings und den Innen Quadratloopings, d.h. das Manöver wird nach links versetzt geflogen, je stärker der Wind, desto mehr Versatz. Startwert bei mittlerem Wind ist 3 m. Versatz. Der Wind wird die erste Ecke ganz von selbst enger machen, es gibt also keinen Grund, an dieser Stelle besonders hart zu fliegen und unnötig Energie für die zweite und dritte Ecke zu verschenken.

Horizontale Achten, rund und quadratisch

Diese Manöver werden immer sehr genau mit dem Schnittpunkt in Windrichtung geflogen, also nicht versetzt. Auch hier ist es wichtig, die Höhe von 45 nicht zu überschreiten um im oberen Teil den Leinenzug zu erhalten. In den oberen Segmenten dieser Manöver wird die Geschwindigkeit deutlich zurückfallen. Dies bedeutet, insbesondere bei quadratischen Achten, dass das Fliegen nach Rhythmus nicht mehr möglich ist und das nach der wirklichen Position des Modells geflogen werden muss.

Stehende Achten

Wird bei diesem Manöver, in starkem Wind, der untere Looping größer als 45 geflogen, dann besteht die große Gefahr, dass der obere Looping weit über den Zenit hinaus in den Gegenwind hinein reicht. An dieser Stelle drückt der Wind das Modell dann nach unten und der Leinenzug geht verloren. Es ist deswegen sehr wichtig, den unteren Looping eher kleiner als 45 zu fliegen und dazu noch das ganze Manöver genau in die Windrichtung zu positionieren. Damit können wir die Beschleunigung durch den Wind im unteren Looping ausnutzen um so Energie für den oberen Looping zu speichern. Zusätzlich kann der Leinenzug im oberen Looping durch das Verkürzen der Leinen verbessert werden. Währendem der untere Looping mit fast ausgestrecktem Arm geflogen wird, kann der Flugradius durch anziehen des Armes, oder gar durch teilweises knien, im oberen Looping verringert werden.

Stundenglas

Hier gibt es nicht nur einen oder zwei Tricks sondern fünf Regeln:

1.) Während der letzten Runde vor dem Einflug in das Stundenglas rückwärts gehen und so das Modell deutlich beschleunigen. (Vor der ersten Ecke den Radius verkürzen, d.h. den Arm anwinkeln)

2.) Der Wind wird die erste Ecke ganz von selbst enger machen, es gibt also keinen Grund, hier besonders hart zu fliegen und unnötig Energie für die zweite und dritte Ecke zu verschenken.

3.) Während dem Steigflug beschleunigt der Wind das Modell. Um möglichst viel Energie für die zweite und dritte Ecke zu speichern, während dem Steigflug den Arm komplett strecken.
4.) Unmittelbar vor der zweiten Ecke den Radius verkürzen, wenn nötig knien.

5.) Die Ecken zwei und drei werden kurz nacheinander geflogen, um so weiteren Verlust an Geschwindigkeit zu vermeiden.

Nach der dritten Ecke beschleunigt der Wind das Modell auf dem Weg nach unten. Um vor der Ecke Geschwindigkeit herauszunehmen den Radius vergrößern, d.h. den Arm ausstrecken und vielleicht sogar einen Schritt nach außen tun.

Acht über Kopf

Der Einflug in dieses Manöver, er erfolgt genau im Seitenwind von rechts, also vor den Richtern. Der Übergang in den senkrechten Steigflug wird sanft geflogen um dabei nicht zuviel Energie zu verlieren. Um möglichst kurze Zeit im Gegenwind fliegen zu müssen, werden die Loopings klein geflogen, d.h. auf keinen Fall auf eine Höhe von weniger als 45 hinunter. Auch das Verkürzen des Radius im Gegenwind und das Verlängern im Rückenwind helfen beim Erhalten des Leinenzuges.

Kleeblat

Das Manöver wird genau im Seitenwind, nicht versetzt, geflogen. (um beim Einflug auf der Höhe 42 möglichst viel Geschwindigkeit zu haben ist es sinnvoll ca. eine Runde vorher zu steigen und durch eine Kombination von Rückwärts gehen und Radius verkürzen Energie für den ersten Looping zu speichern.) Wichtig ist es, die oberen 2 Looping nicht über 90 hinaus, und damit in den Gegenwind hinein, zu fliegen. Im senkrechten Ausflug geht bis zum Zenit viel Energie verloren und darüber hinaus bremst der Gegenwind das Modell ab. Durch Verkürzen des Radius, wenn nötig durch knien, kann diese kritische Situation entschärft werden.

Landung

(Rechtzeitig vor der Landung wird der Aufsetzpunkt festgelegt.) Er sollte ca. 5 - 10 m vor der exakten Seitenwindposition sein, d.h. gegenüber von den Punkterichtern. Der Landeanflug wird dementsprechend eingeteilt. (Auf Gras soll der Aufsetzpunkt ca.10 m nach der exakten Seitenwindposition sein, damit ist die Aufsetzgeschwindigkeit, und damit das Risiko eines Überschlages, geringer)


Quelle: Stunt Hanger Forum www.stunthanger.com
Autor: Steven Yampolski syampolsky@hotmail.com
Übersetzung: Peter Germann, 01. Mai 2010

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